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Motorrad fahrenin der Türkei

Der Motorrad-Guide für die Türkei: die schönsten Strecken an Lykischer Küste, Taurusgebirge, Kappadokien und Schwarzmeerküste, dazu Anreise per Flug, Mietmotorrad, Verkehrsregeln und Werkstatt-Tipps.

Die Türkei lässt sich nicht in einem Wochenende erfahren. Sie liegt auf zwei Kontinenten: Der kleine europäische Teil, Ostthrakien, ist durch Bosporus, Marmarameer und Dardanellen vom anatolischen Hauptland getrennt. Drei Meere rahmen das Revier – das Schwarze Meer im Norden, die Ägäis im Westen, das Mittelmeer im Süden. Im Westen grenzt das Land an Griechenland und Bulgarien, im Osten an Georgien, Armenien, Aserbaidschan und Iran, im Süden an Irak und Syrien. Fürs Motorradfahren zählt vor allem die Staffelung der Höhen: Zwischen der Küstenstraße auf Meereshöhe und Pässen jenseits der 2.600 Meter liegt oft nur eine Tagesetappe.

Motorradfahren in der Türkei

Zwei Gebirgswälle geben dem Fahren seinen Charakter. Entlang der Schwarzmeerküste zieht sich das Pontische Gebirge (türkisch Kuzey Anadolu Dağları) als grüne, feuchte Wand; sein höchster Gipfel, der Kaçkar Dağı, misst über 3.900 Meter. Im Süden begleitet das Taurusgebirge (Toros Dağları) das Mittelmeer und fällt vielerorts unmittelbar ins Wasser ab. Dazwischen dehnt sich die zentralanatolische Hochsteppe, und ganz im Osten türmt sich das Land zum Ararat (Ağrı Dağı) auf, mit über 5.100 Metern der höchste Punkt der Türkei. Steilküste, Mittelgebirgs-Serpentinen, weite Hochplateaus und hochalpine Kammlagen folgen dabei auf kurzen Distanzen aufeinander.

Kurven findet man zuerst im Süden. Die mediterrane Küstenachse, die alte D400, zieht sich über hunderte Kilometer von der Ägäis bis in den Südosten und heftet sich zwischen Fethiye und Antalya an die zerklüftete Likya-Küste. Hier drückt der Taurus bis ans Ufer: Die Straße windet sich über bewaldete Vorberge, taucht in Buchten ab und klettert wieder auf Felsbalkone mit Blick über das offene Meer. Das Tempo gibt die Topografie vor, nicht der Belag – enge Radien, wechselnder Untergrund und Aussichtspunkte in kurzen Abständen. Wo die Küstenachse landeinwärts abzweigt, klettern schmale Nebenstraßen in Serpentinen über den Taurus hinauf zur Hochebene; der Übergang vom Meeresspiegel in die Bergwelt vollzieht sich hier auf wenigen Dutzend Kilometern.

Der Westen fährt sich noch einmal anders. Hinter İzmir und der Ägäis reihen sich Olivenhaine und sanfte Hügelketten; die Halbinseln Datça und Bozburun schrauben ihre Stichstraßen in engen Kehren zum Wasser hinunter. Kurze Etappen, viele Abzweige, mildes Klima – hier lässt sich das Revier langsam angehen, bevor es im Landesinneren größer und höher wird. Von der Ägäis aus lässt sich der Bogen nach Süden zur mediterranen Küste oder nach Osten ins Hochland gleichermaßen schlagen.

Motorradfahren in der Türkei

Das eigentliche Hochgebirgs-Kapitel schreibt der Nordosten. Berüchtigt ist die D915, die auf 179 Kilometern Of am Schwarzen Meer mit Aşkale bei Erzurum verbindet. Im Solaklı-Tal stapeln sich die Kehren einen fast senkrechten Hang hinauf – der als Derebaşı-Virajları bekannte Abschnitt ist teils schmale Schotterpiste und gilt als eine der anspruchsvollsten Bergstraßen des Landes; angelegt wurde die Trasse 1916. Die Route quert den Soğanlı-Pass auf 2.330 Metern und später den Kop-Pass auf 2.409 Metern. Weiter östlich führte über Jahrzehnte der Ovit-Pass auf 2.640 Metern über den Kamm zwischen Rize und Erzurum – seit 2018 unterquert ihn der 14,3 Kilometer lange Ovit-Tunnel, einer der längsten Straßentunnel der Türkei. Und die klassische Route von der Küste ins Innere überwindet den Zigana-Pass auf 2.032 Metern, wo einst Xenophons „Zehntausend" das Schwarze Meer erblickt haben sollen.

Zwischen diesen Extremen liegt ein dritter, ganz eigener Fahrmodus: das anatolische Hochland. Rund um Kappadokien rollt der Asphalt auf gut 1.100 Metern über eine weite, baumarme Ebene – lange Geraden, sanfte Bögen, ein Himmel bis zum Horizont. Hier zählt nicht der Kurvenradius, sondern die Weite; Etappen wirken größer, Ortschaften liegen weiter auseinander, und der Fahrtwind trägt den Geruch der trockenen Steppe. Der Kontrast zur feuchtgrünen Schwarzmeerseite mit ihren Teeplantagen und Hochweiden – den Yaylalar – könnte kaum größer sein.

Man sollte die Dimensionen nicht unterschätzen. Von der ägäischen Westküste bis zur iranischen Grenze misst das Land gut 1.500 Kilometer. Das gut ausgebaute Netz der staatlichen D-Straßen, vielerorts vierspurig getrennt, trägt die großen Distanzen zügig; interessant wird es dort, wo man dieses Netz verlässt und auf die schmalen Neben- und Bergstraßen abbiegt. Wer Ost und West an einem Stück verbinden will, plant in Wochen, nicht in Tagen.

Zwei Motorräder auf einer Straße durch die Felsschluchten des Taurusgebirges
Durch die Felsschluchten des Taurusgebirges

Das Klima staffelt sich mit der Landschaft, und das bestimmt die Saison. An Mittelmeer- und Ägäisküste ist die Fahrsaison lang; Frühjahr und Herbst gelten als die angenehmsten Monate, während der Hochsommer im Süden sehr heiß wird. Zentralanatolien ist kontinental – trockene, warme Sommer, kalte Winter. Am Schwarzen Meer fällt ganzjährig Regen; das hält die Landschaft grün und kostet auf Kopfsteinpflaster und nassem Laub Grip. Die großen Ostpässe sind eine Warmzeit-Angelegenheit: Der Zigana liegt fünf Monate im Jahr unter Schnee, und die Schotterrampen der D915 fährt man sinnvoll nur im Sommerhalbjahr.

Dieses Nebeneinander macht das Revier aus. Man startet morgens auf einer Küstenstraße am Mittelmeer, schraubt mittags durch die Pinienwälder des Taurus und nimmt am selben Tag abends über eine Hochebene auf Alpenniveau einen Zweitausender-Pass. Meereshöhe und Bergkamm, mediterrane Hitze und Höhenkälte, glatter Asphalt und grober Schotter wechseln hier in kurzen Abständen. Wer in der Türkei unterwegs ist, kommt deshalb mit einer realistischen Einteilung von Distanz und Höhenmetern weiter als mit Tempo.

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